Deutschland » Untere Havel-Wasserstrasse mit Elbe-Havel-Kanal und Havel-Kanal

Die Verbindungen von der Elbe nach Berlin
Havel / Elbe-Havel-Kanal / Potsdamer Havel /  Sacrow-Paretzer-Kanal


Untere Havel-Wasserstrasse mit Elbe-Havel-Kanal und Havel-Kanal: Steckbrief & Übersicht

Gewässer-Bewertung

Schwierigkeitsgrad: Etwas Erfahrung von Vorteil
Voraussetzungen: keine Bewertung
Gewässercharakter: zurück zur Natur, mit urbanem Umfeld
Gewässerprofil: Berufsschifffahrt und Tourismus
Landseitige Infrastruktur: Gut

Weitere Informationen

Gewässer hat Anschluss an:

Berlin / Alle Wasserstrassen der Hauptstadt
Elbe | Labe
Havel-Oder-Wasserstrasse


Rathenau an der unteren Havel | Foto: Jürgen Reiter
Die schiffbare Havel
Es ist nicht ganz einfach, die wirklich und wahrhaftige Quelle der Havel in diesem Gebiet der tausend kleinen Seen klar zu benennen. Heute gilt jedoch der Bornsee in der Nähe von Ankershagen als Quellgebiet.
Ab dort fliesst der Bach durch viele kleine Seen und Weiher etwa 10 km Richtung Süden bis zum Käbelicksee und danach in den Granziner See.
Ab hier wird er schon von vielen Kanuten benutzt. Nach dem Useriner See trifft man am Ende auf die Schleuse zum Labussee. Ab hier ist die Fahrt auch für motorisierte Boote gestattet, hier beginnt damit auch die Obere Havel-Wasserstrasse (OHW).
Die OHW führt nun auf der Havel durch verschiedene Seen über Priepert und Fürstenberg bis Zehdenick. Hier verabschiedet sie sich ein erstes Mal von der OHW (diese führt nun über den Vosskanal, Mälzer Kanal und die Havel-Oder-Wasserstrasse nach Potsdam).
Beim Schlosshafen von Potsdam wird sie wieder schiffbar, durchläuft die Stadt und wird danach zum Bestandteil des OHW.
Nach Henningsdorf bildet sie den Nieder Neudorfer See, ab der Spreemündung in Spandau erhält sie einen neuen Namen: UHW, Untere Havel-Wasserstrasse.  und erhält einen neuen Namen: Untere Havel-Wasserstrasse (UHW). Ab hier bildet die Havel einen eigentlichen See, welcher beim Jungfernsee endet. Hier trennt sich die Havel wieder von der UHW, welche sich über den Sacrow-Paretzter-Kanal gegen Westen verabschiedet, und wird zur Potsdamer Havel.
Auch diese besteht grossenteils aus Seen, durchquert man doch u.a. den Templiner See, den Schwielow-See und den Grossen und Kleinen Zernsee.
Zwischen Werder und Ketzin treffen dann der Havel-kanal, der Sacrow-Paretzer und die Potsdamer Havel wieder aufeinander und werden endgültig zur Havel, welche dann über Brandenburg nach Havelberg an die Weser gelangt.


Heilandskirche von Sacrow | Foto: wasserwege.eu
Die untere Havel
beginnt beim Zusamenfluss mit der Spree in Berlin Spandau. Sie führt mit einem grossen Umweg in den Süden hinüber zur Elbe, wo sie bei Havelberg über den Schleusenkanal in diesen Fluss mündet. Die 160 km lange Fahrt kann etwas abgekürzt werden, indem man auf das Befahren der wunderschönen Potsdamer Havel mit ihren grossen Seen verzichtet und die etwas triste Abkürzung über den Sacrow-Paretzer-Kanal wählt. Dieser zweigt auf dem Jungfernsee vor der berühmten Glieniker Brücke gegen Osten ab und trifft vor Ketzin wieder auf die Havel.

Die Unterere-Havel-Wasserstrasse steht in Sachen Tourismus etwas im Schatten der Mecklenburgischen Seenplatte. Dies zu Unrecht,  ist sie doch sicher eines der schönsten Reviere für den Binnenwassersport in Deutschland.

Nach der Stadt Brandenburg hat man erneut die Wahl: Hier verlässt die Havel den Plauer See in Richtung Norden nach Havelberg an der Elbe.

Eilige und solche die an den Rhein wollen, entscheiden sich für den Elbe-Havel-Kanal, welcher auf direktem Weg an die Elbe und zum Mittellandkanal führt.


Auf der Potsdamer Havel bei Geltow | Foto: wasserwege.eu
Die Potsdamer Havel
Nachdem sie sich im Jungfern See für den Umweg in den Süden entschieden haben, erwartet sie nach der berühmten Glienicker Brücke zuerst der Tiefer See und die Stadt Potsdam mit dem alten Preussischen Herrschaftssitz Schloss Sanssouci des Königs Friedrichs des Grossen. Danach geht es weiter auf dem Templiner See, nach der Enge von Kaputh folgt der Schwielow-See und dann der Grosse Zernsee mit der Stadt Werder. Die idyllische Altstadt befindet sich auf einer Halbinsel und wartet mit dem gemütlichen Restaurant Arielle, mit eigener Fischräucherei, auf.
Nach dem Kleinen Zernsee befinden wir uns wieder auf der Potsdamer Havel, welche bei Paretz in die Ketziner Havel übergeht. Nun befinden wir uns wieder auf der UHW.


Unter der Glienicker Brücke | Foto: wasserwege.eu
Die Glienicker Brücke erlangte zur Zeit des Kalten Krieges traurige Berühmtheit, fand doch auf deren Mitte 1986 der letzte Agentenaustausch statt.

Der Elbe-Havel-Kanal

Mit der Industrialisierung

wurde es immer wichtiger, die Hauptstadt Berlin mit den Wasserwegen des Ruhrgebiets zu verbinden. Schon im 18ten Jahrhundert werkelte man an kleinen Verbindungsstücken westlich des Plauer Sees, 1872 gelangte man das erste Mal vom Plauer See etwas nördlich von Magdeburg durch den Lauerknal und Ihlekanal  bei Niegripp an die Elbe. In diesen Jahren begann man auch mit der Planung des Mittellandkanals, welcher von der Weser an die Elbe führen sollte. 1906 begann man endlich mit dem Bau, 1938 wird das Schiffshebewerk Rothensee fertiggestellt, man ist endlich an der Elbe! Schon bald darauf wird mit dem Bau der Elbeüberführung begonnen, doch werden die Arbeiten während des 2. Weltkrieges eingestellt, danach folgt die Trennung Deutschlands.N
Nach der Wiedervereinigung wurden die Bauruinen aus der Vorkriegszeit weggeräumt und mit dem Bau des Magdeburger Wasserstrassenkreuzes begonnen, welches 2003 eingeweiht wurde. Seit dem Jahre 2000 wird der Kanal vertieft und verbreitert, die Schleusen mit einer zweiten Kammer ausgestattet und 18 neue Brücken gebaut um die Durchfahrtshöhen zu vergrössern.

Havel-Kanal
Ein Wasserweg für alle, welche es eilig haben, vom Nordwesten Berlins in den Südwesten mit Brandenburg und der Elbe zu gelangen. Ein recht neuer und doch von der Geschichte überholter Kanal, wurde er doch zu DDR-Zeiten gebaut, um unter Umgehung des BRD-Raumes westlich Berlins, einen Anschluss an die Elbe zu bekommen.

Kanäle und Flüsse

Die Zeitschrift für Binnenskipper, Hausbootfreunde und andere Schleusenschiffer.

Berlin / Von der Unteren Havel zur Dahme.
Ein Törn vom Südwesten durch die Stadt in den Südosten, oder eine schon beinahe kulinarische Brandenburg-Tour!
Das Revier
Positiv: Prächtige Gegend, gute Restaurants, viele schöne, gepflegte Winkel. Dazu als Höepunkt die eindrückliche Fahrt durch die Hauptstadt! Etwas negativ: Etwas wenig Anlegemöglichkeiten für Boote mit über 3.50 Breite. Es ist schade, dass nicht wenigstens der kaum mehr von der Berufschifffahrt benutzte Teltow-Kanal für Yachführer mit Charterschein zugelassen wird. 

Der vollständige Artikel ist nachzulesen in der Ausgabe 2/2009

Weitere Beiträge in dieser Nummer von Kanäle & Flüsse, der Zeitschrift für Sportboot- Yacht- und Hausbootfahrer binnen in Europa: Wasserwege in Elsass-Lothringen / Eine Werft vor und nach dem Mauerfall / Zu Besuch bei der Wasserschutzpolizei Berin, usw.

Einzelnummer: € 6.60  |  Bestellen
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Die Havel bei Vehlgast | Foto: G. Loest

Ein Kurztrip auf der Unteren Havel

Eigentlich war ein Wochentörn über die Elbe nach Havelberg und über die Untere Havel zurück geplant. Da zu diesem Zeitpunkt die Elbe Hochwasser führte, wurde uns dieser Törn verständlicherweise untersagt, denn auf Grund fehlender Betonnung war bereits ein Charterschiff auf eine Buhne gelaufen und leck geschlagen. Nicht mehr jung, aber doch noch flexibel, teilten wir die Woche in einen Törn durch Berlin und den hier berichteten nach Havelberg.

Die Havel Richtung Brandenburg ist ein recht breites und vielseitiges Gewässer. Viele Seitenarme laden zu Stops ein. Selbst Anfang Mai waren schon einige Motoryachten unterwegs, das frühsommerliche Wetter und der Feiertag holte einige aufs Wasser. Zu beachten ist hier die oft recht schnell fahrende Berufsschiffahrt. Durch Brandenburg führen dann mehrere (3) Wege. Die erste Möglichkeit ist die Nutzung des Stadtkanals und der Stadtschleuse. Hier ist eine niedrige Brücke zu beachten. Wir nahmen den Weg über die Brandenburger Niederhavel. Der führt auch durch das Zentrum und wird nicht von der Berufsschiffahrt genutzt. Diese fährt über den nördlich um die Stadt führenden Silokanal durchs Industriegebiet. Auf den beiden letzteren Wegen muss man erstmal die Vorstadtschleuse passieren. Achtung ! Bereits weit vor der Schleuse, am linken Ufer, ist hier der Wartebereich für Yachten. Wagen sie ja nicht, sich der Schleuse unaufgefordert zu nähern. Ein Generalanschiss ist ihnen Gewiss. Eigene Erfahrung des Autors. Auch wenn weit und breit keine Berufsschiffahrt zu sehen ist. Wir sind eben in Deutschland.

Nach Passieren der Stadt – ein Anlegen war für die Rückfahrt vorgesehen - ging es weiter auf der Havel, die nacheinander den Breitlingsee und den Plauer See durchfliesst. Ab Plaue ist die Havel seenartig erweitert. Ein sehr abwechslungsreiches Revier mit herrlicher Stadtpassage in Brandenburg und wundrbarer Natur.


Die Übernachtung war im Raum Pritzerbe vorgesehen. Generell sind die Liegeplätze an der unteren Havel nicht sehr üppig, was sich in der Hochsaison wohl bei der Suche deutlich bemerkbar macht. Als Alternative bleibt dann das Ankern oder das Festmachen in der Natur. Je nach Bedürfnis oder Crew ist diese Wahl nicht immer erwünscht. Der vierbeinige Begleiter muss mal Gassi und so mancher Zweibeiner hat auch mal das Bedürfnis sich über das Bootsdeck hinaus zu bewegen.

Wir fanden einen neuen Anleger „Havel Oase“ in Pritzerbe flussab der Fähre. Ein Schwimmsteg mit Wasser und Strom. Gleichzeitig ist auch ein kleiner Campingplatz dabei und eine Vermietung von „Funboat Havelsee“. Pontonboote in allen Grössenordnungen und Ausstattungen sind der Renner der Region. Es sind deutlich mehr dieser Boote als Yachten während unserer Reise unterwegs gewesen. Ein schöner Liegeplatz mit freiem Blick über die Havel nach Westen. Alle Einkaufsmöglichkeiten und Gaststätten sind vor Ort. Der Empfang unkompliziert und sehr freundlich.

Am nächsten Tag fuhren wir auf der Havel weiter talwärts. Die Schleusen werden fern bedient. Die Anmeldung über Handy läuft problemlos und einfach. Die Schleusenbecken sind sehr gross. Berufsschiffahrt gibt es nicht mehr. Es wird anders als in anderen Bereichen der Havel hier keine Bootsstaus geben. Die Grösse der Schleusen ergibt sich durch die Schleppverbände, die hier früher fuhren und geschleust wurden.

In Rathenow machten wir einen Umweg durch die Stadt und schleusten durch die Stadtschleuse. Hier ist ein Schleusenwärter vor Ort. Das Ausmass reicht für zwei bis drei Yachten. Vor der Stadt sind die Ufer mit sehr gepflegten Wassergrundstücken besiedelt. Auch in Rathenow verschoben wir einen Rundgang auf den nächsten Tag.


Gewitter über der Havel / Foto: Jürgen Reiter, wasserwege.eu

Weiter ging es durch eine beeindruckende Naturlandschaft. Zu beachten ist, dass zu bestimmten Zeiten im Jahr ein Festmachen in der Natur verboten ist und bis Havelberg nur sehr eingeschränkt feste Liegeplätze vorhanden sind. Hier sollte man wirklich überlegen, ob entsprechende Investitionen in Liegeplätze in der Natur – ähnlich Friesland – sowohl Natur als auch Tourismus gut bekommen würden.


avelberg lädt mit einem schönen und für die Region recht grossen Yachthafen zum Übernachten ein. Im Mai war reichlich Platz, wie es in der Hauptsaison ist, weiss ich nicht, da ja die Elbe auch vor der Tür liegt. Unweit vom Steg mit Blick auf den Hafen ein Hotel mit Restaurant und schöner Terrasse. Unbedingt sollte man den Aufstieg zum Dom wagen. Der Blick entschädigt für die „alpinen“ Mühen des Flachlandtirolers. Auch ein Rundgang durch das kleine Städtchen sollte man nicht versäumen.


Am nächsten Tag – dem Tag, den besonders die Väter in Lauerstellung begehen – ging es wieder zurück. Es begegneten uns einige davon am Flussrand und auf allen möglichen mehr oder weniger flusstauglichen Gefährten. Die eine oder andere Frau wurde auch gesichtet !?!

In Rathenow legten wir hinter der Schleuse an und machten einen kleinen Rundgang. Der historische Teil ist überschaubar, das Festtagstreiben war durch die Gaststätte am Anleger hier schwerpunktmässig vertreten, so dass wir beschlossen weiterzufahren. Nicht das wir nicht feiern können, aber der weitere Verlauf des Treibens war am Nachmittag für uns hier nicht überschaubar.

Wir erinnerten uns an den angenehmen Liegeplatz in Pritzerbe und steuerten diesen auch wieder an. Den Feiertag der Väter liessen wir dann in der örtlichen Gaststätte und an Bord ausklingen. Dabei kamen wir nicht umhin, mehrfach auf Frau und Kinder anzustossen.

Am letzten Tag steuerten wir wieder das Zentrum von Brandenburg an. Über Mittag gelang es uns, einen Liegeplatz zu erobern. Natürlich unblutig. Die Anzahl der schön gelegenen Plätze dürfte an nur wenigen Tagen alle Wünsche befriedigen. Ein Rundgang ist wirklich lohnenswert. Es wurde vieles sehr schön gestaltet. Aber es wundert schon, wenn an einem zentralen Platz noch einige Potemkin’sche Häuser stehen.


Locaboat Basis Ketzin| Foto: Jürgen Reiter / wasserwege.eu

Bis 2015 wird die Region von Brandenburg bis Havelberg nochmals touristisch aufgewertet. Die Bundesgartenschau wird dann gemeinsam ausgerichtet. Wir hoffen, dass dieses Event der Region noch den einen oder anderen schön gestalteten Anleger und aber kein so schlimmes Hochwasser mehr bringt. Nur wenige Tage nach unserem Törn war überall Land unter. Nach unserer herrlichen Frühsommer Tour kaum vorstellbar.

Wieder zurück in Ketzin genossen wir den lauschigen Anleger von Locaboat.

Die Betreuung war sehr angenehm.

Hier noch eine Empfehlung : Gittis Fischstube in der Ortsmitte von Ketzin. Fisch und Fischbrötchen gut und sehr günstig. Daneben auch noch ein Metzger, bei dem wir uns ebenso gut und günstig verproviantieren konnten.

Die Crew :

Olaff Ohlhoff, Hartmut Rensch, Dieter Schulz, Jürgen Reiter