Frankreich » Canal du Midi | Kanäle in Frankreich

Wohl der schönste Kanal der Welt  -  vor allem in der Vor- und Nachsaison!


Canal du Midi | Kanäle in Frankreich: Steckbrief & Übersicht

Gewässer-Bewertung

Länge des Wasserwegs: 240 km
Anzahl Schleusen: 63
Schleusendimensionen: 30.00 x 6.60
Max. Tiefgang: 1.60
Max. Durchfahrtshöhe: 3.30
Schwierigkeitsgrad: Für Anfänger (viele Schleusen)
Voraussetzungen: Für Mietboote führerscheinfrei
Gewässercharakter: zurück zur Natur
Gewässerprofil: Nur noch touristisch genutzt
Landseitige Infrastruktur: Gut

Weitere Informationen

Gewässer hat Anschluss an:

Canal de Garonne | Kanäle in Frankreich
Canal du Rhône à Sète | Kanäle in Frankreich
Mittelmeer

HOTELSCHIFFE

Péniche Beatrice, Portiragnes |  Péniche La Vancelle, Canal du Midi
Clair de Lune, Canal du Midi


Geschichte und Tourismus
Der Canal du Midi ist sicher der berühmteste Kanal der Welt! 1662 präsentiert Paul Riquet sein grosses Projekt, den Canal des Deux Mers, dem Finanzminister des Königs Louis XIV, Colbert. 1665 bekommt er die Bewilligung zur Erstellung eines Wasserzuflusses zum obersten geplanten Punkt. Bezahlen muss er die Arbeit selbst. Er erbringt den Beweis, genügend Wasser zum Seuil de Naurouze zu bringen, worauf 1666 der Vertrag zum Bau des Kanals von Louis XIV unterzeichnet wird. 1669 beginnen die Bauarbeiten in Naurouze, 1680 stirbt Riquet beinahe mittellos, sein ältester Sohn, Jean Mathias, führt die Arbeit weiter. Ab Dezember 1682 kann der Kanal befahren werde, Vauban führt danach zwischen 1686 und 1694 noch einige Verbesserungen durch. 
1856 war sein bestes Jahr, wurden doch 110'000'000 Tonnenkilometer Material und gegen 100'000 Passagiere befördert.  Um 1980 wird der Frachtverkehr eingestellt und der Tourismus beginnt sich zu entwickeln. 1996 wird der Kanal in die Liste des UNESCO Weltkulturerbes aufgenommen.

Die Esperance
Der letzte Frachter auf dem Midi, nachdem die Fracht ausging, blieb nur die Hoffnung...

Information zu Ihren Urlaub auf dem Hausboot vom Roussillon in die Midi-Pyrénées.
Vorteile: Sie werden sich bestimmt nicht langweilen, auch finden Sie überall Wasser, Lebensmittel und Restaurants. Die nicht enden wollenden Baumreihen links und rechts des Kanals spenden auch im Hochsommer angenehmen Schatten. Leute, welche sich Zeit lassen, werden sich auch an den über 300 jährigen Bauwerken des Kanals erfreuen.
Nachteile: Der Kanal ist in den letzten Jahren zum Inbegriff von Hausbootferien gemeinhin geworden, was leider zur Folge hat, dass in der Hauptsaison ein Verkehr wie an der Bastille in Paris herrscht. Die dazu gehörenden Staus an den Schleusen können zu einer schweistreibenden und nervenaufreibenden Geschichte ausarten.


Die Schleusentreppe von Fontserannes. Foto: Jürgen Reiter

Reisebericht Canal du Midi

Fotos & Text: Dr. Jürgen Reiter
Der erste Teil des Berichts finden Sie unter Canal du Rhône à Sête

Bei gutem Wetter steuerten wir das Ostende des Canal du Midi an : Point des Onglous. Unser erstes Ziel danach war Agde. Wir blieben im Canal du Midi und machten hinter der Dreiwege Schleuse fest. Ein lohnender Spaziergang entlang des Verbindungskanals und eine kleine Stadtbesichtigung, die man nicht versäumen sollte. Beim Warten vor der Schleuse konnte man unterschiedliche Strömungen beobachten. Von Osten kommend wartet man in der Mittelstellung. Weiter gegen Westen geht’s aufwärts, in den Verbindungskanal und damit Richtung Meer geht’s abwärts.
Unser Ziel für den Abend lag noch ein paar Kilometer weiter – etwa in den Bereich von Port Cassafieres. Am nächsten Vormittag sollte es nochmal Richtung Strand gehen.
Da uns von einer Übernachtung in Beziers abgeraten wurde, steuerten wir am Nachmittag direkt die Schleusentreppe hinter Beziers an. Man sollte die Schleusenzeiten und die entsprechende Richtung beachten. Mit Wartezeiten ist zu rechnen, aber es kommt keine Langweile auf. Viel Publikum rund um das Geschehen und das Beobachten des Treibens der anderen mehr oder weniger geübten Crews verkürzt die Wartezeit. So kommen auch die Hunde wieder zu einem interessanten Gang entlang des Treidelpfades.


Vor dem Malpas-Tunnel. Foto: Jürgen Reiter
Am nächsten Tag legten wir vor dem Malpas – Tunnel an, um die Höhen des Oppidum von Enserune zu besteigen. Ein lohnenswerter und nicht zu mühsamer Weg, der uns mit einem wunderbaren Blick über die Region belohnte.
Unser nächster Halt war dann Capestang. Optisch waren beide Kanalufer mit Strom und Wasser versehen, de Fakto gab es aber nur Wasser als Beilieger vor dem Tourist Büro, in dem sich auch das Büro des Hafenmeisters befindet. Freundliche Mitarbeiter und eine gute Ausstattung mit Infomaterial und besonders auch mit Produkten der Region führten zu einem kleinen Kaufrausch.
Nach der Schleusentreppe bei Beziers befährt man für über 50 Kilometer den schleusenfreien Teil des Canal du Midi. Viele Windungen in die kleinen Seitentäler, wo dann das Tal mittels Brücke überquert wird, gestalten die Reise sehr interessant. Allerdings ist dieser Teil auch am stärksten von Charter Booten frequentiert. Hier befindet sich auch der kleine Ort Le Somail, dessen Brücke und Ansicht als Werbeträger für fast jeden Katalog dient. Auch der anschliessende, mit einigen Schleusen versehene Teil bis Carcassonne, ist nicht weniger befahren. Hier schlägt eben das Herz des Bootstourismus. Hier ist auch mit besonderer Vorsicht zu navigieren. Bootsbesatzungen mit unterschiedlichem Kenntnisstand sind unterwegs. Sehr starker Wind bei sonnigem Wetter erschwerte an mehreren Tagen die Navigation. Viel Ruhe und die eine oder andere Hilfestellung an der Schleuse zeichnen dann den erfahrenen Skipper aus. Viele Bootsbesatzungen aus fernen Ländern machen eine Bootstour als Teil ihrer Europa – Rundreise.
Die Schleusen mit teilweise drei Kammern führen auf Grund des regen Betriebs zu einem gewissen Rückstau. Dies sind aber gute Gelegenheiten mit den anderen Bootsbesatzungen aus den verschiedensten Ländern ins Gespräch zu kommen. Auch die Hunde freuen sich über die verschiedenen Spaziergänge rund um und zwischen den Schleusen.
Nach dem abendlichen Anlegen in Trebes nutzten wir die Nähe zum nächsten Restaurant, um die örtliche Küche gemeinsam mit einem amerikanischen Ehepaar zu geniessen. Wir hatten uns beim und rund um das Schleusen kennengelernt.


Wir geniessen die wunderschöne Fahrt. Foto: Jürgen Reiter
Ein unbedingtes touristisches Muss ist der Besuch der alten Festung (Cite) von Carcassonne. Liegeplätze sind auch vor der Stadtschleuse und dem Stadthafen ausreichend vorhanden. Direkt an der Schleuse gibt es auch einen kleinen Touristoffice. Dort wird man kostenlos mit einer kleinen Karte ausgestattet. So findet man problemlos den Weg zur Cite. Es geht allerdings nicht nur um die Ecke, also nichts für Fusskranke.
Nach Carcassonne beginnt der weniger genutzte, aber deswegen nicht weniger schöne Teil des Canals. Um in das Grand Bassin von Castelnaudary zu gelangen, sind direkt davor nochmals 4 Schleusen am Stück zu erklettern. Der erste Eindruck nach der Ausfahrt ist schon besonders. Die weite Wasserfläche nach vielen Kilometern Kanalfahrt und engen Schleusen. Am Rand des grossen Hafenbeckens die relativ kleinen, südländischen Häuser. Einmalig. Hier kann man all das erstehen, was noch fehlt. Im Hafen nach dem Grand Bassin ist Anlegen, Wasser und Strom kostenpflichtig.


Am Col de Naurouce, dem höchsten Punkt des Canal du Midi. Foto: Jürgen Reiter
Weiter gegen Westen wird es noch ruhiger auf dem Canal. Hier kommt nur noch die Charterbasis von Locaboat. Ab jetzt freut sich das Schleusenpersonal, wenn „Kundschaft“ kommt. Dies ist natürlich ein subjektiver Eindruck. Aber es gibt auf der ganzen Reise wirklich nichts zu meckern. An jeder Schleuse wird von der Seite des Personals sehr aufmerksam und mit grösster Ruhe und Gelassenheit gearbeitet. Manchmal wirklich bewundernswert.
Am Col de Naurouze (Wasserscheide) legten wir an und huldigten dem Erbauer des Canals mit einem kleinen Rundgang durch die schöne Anlage.
Eine der wohl wenigen Neubauten am Canal du Midi ist Port Lauragais. Die Autobahnrastanlage kann auch von den Booten mitbenutzt werden. Wir machten direkt an der Rastanlage fest und erstanden Heissgetränke und süsse Leckereien. Gerastet haben wir dann an Deck in der Sonne.
Unser letzter Reisetag endete am Locaboat Anleger in Negra. Ein durchaus schöner Platz für den letzten Abend, aber ohne Versorgungsmöglichkeiten in der Nähe. Man muss für die Abschiedsfeier dann schon Alles an Bord haben oder falls das Auto vor Ort, dieses dann anspannen.

Zusammenfassend war dies eine empfehlenswerte Tour mit vielen unterschiedlichen Eindrücken. Ausreichend zeitliche Spielräume sind vorhanden. Wir haben es sehr ruhig angehen lassen. Wer etwas mehr machen will, für den ist auch noch ein Abstecher nach Narbonne drin.
Für die vierbeinigen Mitreisenden eine schöne Tour, da sowohl die Ausflüge zum Strand, wie auch der Treidelpfad und das Treiben rund ums Schleusen genügend Auslauf und Abwechslung bieten. Aber man sollte sie nicht unkontrolliert umher laufen lassen, da der Treidelpfad auch von anderen genutzt wird. So mancher Schleusenwärter hält auch Tiere. Ständiger Ärger mit Hunden von Bootsbesatzungen verdirbt die gute Stimmung rund um den Canal und führt nicht zu einem „Wellcome“ für die Hunde der nächsten Crews.
Zum Schluss noch ein Wort zur Jagdleidenschaft der Franzosen und der Schussfestigkeit der mitreisenden Vierbeiner. Wenn die Jagdsaison eröffnet ist, wird durchaus intensiv geschossen. Das hängt natürlich von Ort, Zeit und der entsprechenden Jagdgesellschaft ab. Wir hatten das „Vergnügen“ am ersten Sonntag zwischen Aigues-Mortes und etwa Höhe la Grand-Motte, so dass wir zuerst an ein Manöver dachten. Jäger in Tarnkleidung, ausgespannte Tarnnetze, teilweise in den Boden gegrabene „Stellungen“ und ständigem Schiessen. Eine Ente fiel direkt neben das Boot. Keine Freude für einen ängstlichen Hund, natürlich auch nicht für ängstliche Zweibeiner. Wir verzichteten auf das an Bord holen des „Bratens“ und fuhren – beschallt mit Rockmusik – so schnell es ging weiter.
Die Crew:
Dr. Jürgen Reiter / Ute Reiter
Ann Katrin Reiter / Michael Racke
Die Hunde Mogli und Thelma


Le Canal du Midi

Die ultimative Hoepage über den berühmtesten Kanal der Welt!