Frankreich » Canal du Rhône à Sète | Kanäle in Frankreich

Der Kanal zwischen der Rhone und dem Canal du Midi, entlang des Mittelmeeres. Sie werden von Flamingos, Stieren und Muschel-Fischern begleitet. Ein grossartiges Erlebnis!


Canal du Rhône à Sète | Kanäle in Frankreich: Steckbrief & Übersicht

Gewässer-Bewertung

Länge des Wasserwegs: 99 km
Anzahl Schleusen: 1
Schleusendimensionen: 120.00 x 8.00
Max. Tiefgang: 1.80
Max. Durchfahrtshöhe: 5.00
Schwierigkeitsgrad: Etwas Erfahrung von Vorteil
Voraussetzungen: Für Mietboote führerscheinfrei
Gewässercharakter: zurück zur Natur, alter Wasserweg zum wieder entdecken
Gewässerprofil: Berufsschifffahrt und Tourismus
Landseitige Infrastruktur: Genügend

Weitere Informationen

Gewässer hat Anschluss an:

Canal du Midi | Kanäle in Frankreich
Rivière Petit Rhône / Canal Arles - Port de Bouc, France | Wasserwege in Frankreich
Rivière Rhône | Flüsse in Frankreich
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Wasserwege in Südfrankreich:
Der Canal du Rhône à Sète,
Lanquedoc-Roussillon

Du Rhône à l'Atlantique:
Canal du Rhône à Sète /
Canal du Midi / Canal lat. à la Garonne / Garonne

Ihre Bootsferien im Languedoc-Roussillon.
Vorteile:
Eine einmalige Landschaft, von einigen Liegeplätze hat es recht gute Zugänge zu den Mittelmeerstränden.
Vermieter-Basen: Larres, Saint-Gilles, Agde, Garnon, Bellegarde, Beaucaire.
Nachteile: Weit und breit nicht ein Baum, kein schattiger Fleck, es kann im Hochsommer ganz schön heiss werden auf Deck. Zusammen mit den heissen Nächten in Carnon, Palavas, Sète, usw. könnte das an die Substanz gehen.
Eine Fahrt für Familien, Freunde und junge Abenteurer, es winken Natur, Sandstrände und Nachtleben. Der Kanal sollte jedoch wenn möglich ausserhalb der Hochsaison befahren werden.

Der Kanal von der Rhone nach Sète, von der Gamargue durch Languedoc - Roussillon, Beschreibung
Gebaut wurde der Kanal als Verbindung von der Rhône zum Canal du Midi. Im Jahre 1820 wurde er fertiggestellt und führte von Beaucaire nach Sète und zum Etang de Thau. Infolge der Rhône-Kanalisierung, im letzten Jahrhundert, musste die Schleuse in Beaucaire ausser Betrieb gesetzt werden. Jetzt erreicht man den Kanal über den Petit Rhône oberhalb von Arles und die Schleuse von St. Gill. Schon bald stehen wir vor der Entscheidung, die Stadt Aigues Mortes zu umfahren und entscheiden uns, glücklicherweise, dagegen. Gut, es hat wirklich viele Touristen da unten, doch ein Besuch dieser einstmals berühmten Hafenstadt am Mittelmeer ist immer einen Umweg wert. (Wer Lust hat, kann gleich noch einen  Abstecher an den pittoresken Fischerhafen Le Grau du Roi am Meer machen).  Wir jedoch müssen weiter, der Atlantik erwartet uns. Zurück auf dem Hauptkanal lassen wir die Tourismus-Silos von "La Grande Motte" an uns vorüberziehen, links von uns das Mittelmeer, rechts eine seltsame, riesige rosarote Masse, welche sich bald darauf erhebt und sich als hunderte von Flamingos entpuppt. Bei Palavas zweigt die wieder hergestellte Verbindung zu Montpellier ab, an deren Ende sich ein sehr gut ausgebauter Hafen befindet. Spätestens ab hier hat es beiderseits nur noch Wasser, wir befinden uns in einem der vielen Salzwasserseen, welche durch Dämme vom Mittelmeer abgetrennt sind, ein einmaliges Erlebnis! Diese Natur, die Tiere und ab und an ein einsamer Fischer. Mit etwas Glück schaffen wir die Hebebrücke von Frontignan und legen danach am schönen Sporthafen an.
Ab Frontignan bleiben noch 2 km bis zum Etang de Thau, wo wir die Wahl haben,  mit unserem Boot die komplizierte Prozedur der Einfahrt nach Sète zu bewältigen oder eine der schönen Hafenstädte im Bassin de Thau zu besuchen. Wir entscheiden uns für Mèse und finden uns nach einer nicht enden wollenden Fahrt durch die Austern- und Muschel-Parks in einem wunderschönen ehemaligen Mittelmeer-Fischerhafen wieder. Da auch das Bassin de Thau nicht mehr direkt mit dem Meer verbunden ist, fehlen hier zum Glück die grossen, protzigen Jachten, incl. deren Benützer. Da es im Bassin de Thau zu recht schweren Stürmen kommen kann, welchen vor allem die Charterboote nicht gewachsen sind, sollte man sich vor dem Befahren etwas dem Meteo widmen und auf Sturmwarnungen achten, immerhin ist der See ca 20 km lang! Am Ende des Bassin de Thau, südwestlich von Marseillan bei "Les Onglous" stossen wir dann endlich auf den Canal du Midi.

Küche & Keller
Die Küche ist vom Mittelmeer geprägt, speziell dazu kommen Muscheln und Austern aus dem Bassin de Thau. Als örtliche Spezialitäten gelten der Muscadet aus der Gegend um das Bassin de Thau und der "Sandwein" aus der Region Aigues Mortes. Dazu kommt die grosse Auswahl der Weine aus der hiesigen Gegend, dem Languedoc:


Der kanal und das Meer. Foto: Jürgen Reiter

Südfrankreich / Reisebericht

Eine Tour auf dem Canal du Rhône à Sête und dem Canal du Midi, von Lattes nach Negra.
Mit vier Zweibeinern und zwei Vierbeinern an Bord.
Fotos & Text: Dr. Jürgen Reiter

Die Option für zwei Wochen Bootsurlaub lenkte unser Interesse auf Südfrankreich. Wärme und stabile Witterung im September gaben dazu bei der Vorplanung den Ausschlag. Auch waren wir schon einige Jahre nicht mehr in dieser Region, so dass wir den Zeitpunkt für ein erlebtes Update für gekommen hielten. Bei den letzten Besuchen bereisten wir den Canal du Midi und den Canal du Rhone a Sete unabhängig voneinander. Diesmal war es unsere Absicht, beide Regionen zu „erfahren“. Um nicht in Hektik zu verfallen, planten wir eine Einweg Tour, denn schliesslich wollten wir ja Südfrankreich und die Kanäle in Ruhe geniessen.
Nach Studium der verschiedenen Anbieter und ihrer Angebote von Einwegtouren planten wir eine Reise von Lattes (südlich von Montpellier) nach Negra (auf halbem Weg von Castelnaudary nach Toulouse). Beim Boot entschieden wir (4 Erwachsene) uns besonders wegen der zwei mitreisenden Hunde für eine Penichette Terrasse von Locaboat. Warum wir gerade diesen Schiffstyp gewählt haben, erfahren sie an anderer Stelle in dieser Zeitschrift.

Wegen der Einweg Tour musste vor Antritt der Reise der Transport wieder zurück zum Ausgangshafen geklärt und geplant werden. Nach Studium der Unterlagen des Vercharterers zu diesem Thema regte sich bei mir dann doch der Geiz, allerdings ohne dem Gefühl von Geilheit. Mehrere hundert Euronen zum Verschieben des Autos war mir dann doch zuviel. Auf der Suche nach Alternativen fand ich die Möglichkeit einer Zugfahrt und dies für weniger als 40.- € und in akzeptabler Zeit. Locaboat organisierte mir ein Taxi von Negra zum nächsten Bahnhof und in Montpellier war es auch unproblematisch am Bahnhof ein Taxi nach Lattes zu bekommen. Gesamtkosten ca. 80.- €. Gesamtzeitaufwand ca. 5 – 6 Stunden. Wieder zurück an Bord war dann Alles urlaubsfertig eingerichtet und der Tisch im nahen Restaurant am Hafenbecken von Lattes reserviert. So konnten wir nach nur wenigen Metern des Weges bei sommerlichen Temperaturen den Urlaub angemessen und entspannt einläuten.
Das Hafenbecken von Lattes ist umgeben von modernen Häusern im südländischen Stil und stellt schon eine besondere Anlage dar. Um zum Canal du Rhone a Sete zu gelangen muss man nach Verlassen des Hafenbeckens auf dem Fluss Lez abwärts fahren. Nach kurzer Fahrzeit kommt hier eine Schleuse. Auf Empfehlung der Locaboat Mitarbeiterin haben wir zunächst auf den Grosseinkauf verzichtet, da sie einen Supermarkt direkt am Fluss mit eigenem Anleger empfahl. Theoretisch hatte das auch seine Richtigkeit, aber.... Der Anleger war nur bei geschicktem Anlegen und mittlerer Bootsgrösse durch 2 nutzbar. Ausserdem war da eigentlich eine Bootstankstelle. Vor dieser hatte sich eine Schlange mehrerer Sportboote gebildet, da neben dem Supermarkt ein Verleih ohne eigene Tankstelle lag, der die Boote in Regalen stapelt. An einem Samstagvormittag und bei strahlendem Wetter also nicht verwunderlich. Der Verleih hatte wohl schon Erfahrung mit verzweifelten, hungrigen und durstigen Locaboat Kunden. Es wurde speziell auf das Anlegeverbot für die Boote dieser Firma mittels Schilder hingewiesen.


Bei Aigues-Mortes. Foto: Jürgen Reiter
Es ging also auf Notreserve den Canal nach Osten. Unser erstes Ziel Aigues-Mortes. Der Canal selbst ist wenig aufregend, die Umgebung und die Tierwelt umso mehr. Der Anleger in Aigues-Mortes liegt am Fuss der Stadtmauer, direkt am Festungsturm, nur wenige Schritte zur Stadt. Eine gute Lage zum Erkunden, allerdings keine ruhige. Eine stark befahrene Strasse zur Küste und gelegentlich ein Nahverkehrszug sprechen für einen eher unruhigen Liegeplatz. Ein etwa 10 Meter breiter Streifen zwischen Kanal und Strasse, getrennt durch Hecke und Zaun, mindern etwas die Unruhe. 2 Mitglieder der Crew radelten zu dem etwas ausserhalb liegenden Supermarkt zwecks Verbesserung der Vorratslage. Wie es sich herausstellte keine gute Idee. Der mörderische Verkehr und die gewöhnungsbedürftigen Mietfahrräder führten zu einer harten Tour. Der Besuch der kleinen Geschäfte im alten Stadtkern war da um einiges angenehmer und unterhaltsamer. Aigues-Mortes ist trotz starker Touristenströme für diese Region ein unbedingtes „Muss“.
Leider blieb uns die Weiterfahrt in die jetzige Hafenstadt Le Grau-du-Roi wegen einer Sperre des Canals verwehrt, so dass es ab jetzt nur noch ostwärts ging. Da wir gerne an den Strand wollten, war unser nächstes Ziel im Bereich der Abbay de Maguelonne anzulegen. Der dort sehr tief liegende Rand des Canals war etwas gewöhnungsbedürftig, aber ein herrlicher Liegeplatz in der Natur mit dem typischen Flair der Region. Es ist empfehlenswert den abendlichen Sitzplatz nach Westen auszurichten. Der Strand ist von diesem Liegeplatz aus auch zu Fuss gut erreichbar. Schneller geht’s natürlich mit dem Rad oder einem Zubringerdienst von der Kanalfähre aus.


Am Etang de Thau. Foto: Jürgen Reiter
Die Weiterreise muss dann gut terminiert werden, da die Brücke von Frontignan nur zwei- bzw. dreimal pro Tag öffnet. Vorsicht beim Passieren. Unerfahrene Bootsführer neigen an solchen Stellen zu Hektik. Die Angst es in der Zeit nicht zu schaffen führt zu dem Verhalten : Hauptsache durch ! Wir begegneten einem „Falschfahrer“. Er hatte wohl vor der Brücke am linken Ufer festgemacht und startete entsprechend durch. Andere schlossen sich ihm an.

Auch die Zufahrt zum Hafen Sete wird durch eine Brücke versperrt, die nur zweimal täglich öffnet. Auch hierfür gab es eine Empfehlung durch die nette Mitarbeiterin von Locaboat: Vor der Brücke rechts sollte man festmachen können. Aus meiner Wortwahl entnimmt der Leser schon, dass dies so nicht von uns umgesetzt wurde. Sehr grosse Warnschilder empfahlen doch in diesem Bereich nicht anzulegen. Rot und mit dem Wort Gefahr (natürlich in der Landessprache) erzeugte bei mir doch ein Magengrummeln. Die Öffnungszeiten der Brücke beengten unser urlaubshaftes Freiheitsgefühl, so dass wir nach einer Runde vor der Brücke beschlossen, auf einen Besuch zu verzichten und einen Hafen am Etang de Thau anzulaufen.
Wir steuerten Meze an, etwa in der Mitte zwischen den Austern. Weder bei der Überfahrt noch im Hafen sollten hier die Schiffstoiletten benutzt werden.
Die Liegeplätze befinden sich direkt hinter der Mole mit schönem Blick Richtung Mont St. Clair und Sete. Die Sanitäreinrichtungen sind eher südländisch in Schuss. Hier kommt dann ein wichtiger Faktor ins Spiel, der unbedingt beim Befahren des Etang de Thau beachtet werden muss. Die Wetterprognose und die Windstärke. Die Vercharterer untersagen ein Befahren bei mehr als Stärke 4. Nach Auskunft von Einheimischen ist dies nicht selten der Fall. Da ist dann die ganze Törnplanung vermasselt oder man ist unter Umständen in einem der Häfen eingeweht. Hübsch ist neben dem Hafen mit vielen kleinen Booten auch der zentrale Platz mit aktiver Markthalle. Dort kann man wunderbar die Produkte der Region erstehen.