Niederlande » A6 | Wasserwege in Groningen Ost - Südost & Drenthe, neu mit Ruiten Aa & Veenvaart

Neu mit der Nord-Südverbindung Westerwoldse Aa / Ruiten-Aa-Kanaal, Veenvaart und Oranje-Kanaal!



A6 | Wasserwege in Groningen Ost - Südost & Drenthe, neu mit Ruiten Aa & Veenvaart: Steckbrief & Übersicht

Gewässer-Bewertung

Schwierigkeitsgrad: keine Bewertung
Voraussetzungen: keine Bewertung
Gewässercharakter: zurück zur Natur, alter Wasserweg zum wieder entdecken
Gewässerprofil: Nur noch touristisch genutzt
Landseitige Infrastruktur: Genügend

Weitere Informationen

Gewässer hat Anschluss an:

Haren-Rütenbrock-Kanal & Linksemsiges Kanalnetz

Die Routen

  1. Winschoterdiep / Westerwoldse Aa / Ruiten Aa / Veenvaart / Oranie-Kanaal
  2. Winschoterdiep / Wildervankkanaal / Stadskanaal / Musselkanaal / Ter Apel-Kanaal / Veenvaart (oder Haren-Rütenbrock-Kanal DE)
  3. Winschoterdiep / Pekel Aa / Stadskanaal
  4. Wischoterdiep / Drentsche Diep / Zuidlaardermeer / Klielsterdiep / Grevelinskanaal / Stadskanaal



Die Festung Bourtange Foto: Verkehrsverein Bourtange

Route 1

Winschoterdiep - Westerwoldse Aa - Vereinigt of B.L. Tijdenkanaal - Ruiten Aa - Veenvaart - Verleengte Hoogeveensche Vaart
Vom Oosterhafen Groningen über Winschoterdiep,  Westerwoldse Aa, Vereenigd of B.L. Tijdeskanaal, Ruiten Aa Kanaal nach Ter Apel. Die längste Variante, doch sehr interessant, da die wieder eröffnete Verbindung von der Westerwoldse Aa entlang der Deutschen Grenze nach Ter Apel schon wegen der Festung Bourtange aus dem Jahre 1593 ein Besuch wert ist. Danach folgt die neueste (alte) Erungenschaft auf dem Niederländischen Kanalnetz, die Veenvaart, welche durch den ebenfalls neuen Veenpark über ein kurzes Stück des Oranijekanaals zur Verleengte Hoogeveensche Vaart führt.
Die maximale Durchfahrtshöhe ist bei der Ruiten Aa auf 3 m beschränkt.


Auf dem Winschoterdiep vor Zuidbroek Foto: Kurt Frey, wasserwege.eu

Route 2

Winschoterdiep - Wildervankkanaal - Oosterdiep - Stadskanaal - Musselkanaal - Ter Apel Kanaal
Vom Oosterhaven Groningen über das Winschoterdiep bis zur  Abzweigung nach der Hochwasserschleuse bei Zuidbroek über den Wildervankkanal und Oosterdiep nach Bareveld beim Stadskanal. Über den Staads- Mussel- und Ter Appel - Kanaal hat man wieder anschluss an die Veenvaart und den Haren-Rüntbrockkanal (D).
Keine Höhenbegrenzung, Tiefe: 1.40 m.
Der schnellste Weg von Groningen an die Ems und zur Veenvaart.. Bis Veendam jedoch noch rege von der Berufsschifffahrt benutzt. Auf dem Oosterdiep dann begleitete Fahrt bis Bareveld.
Auf diesen 6,7 km befinden sich 3 Schleusen und 32 bewegliche Brücken, was bei starkem Verkehr zu Wartezeiten führen kann.

in Pekela
Durchfahrt Pekela. Foto: Kurt Frey, wasserwege.eu

Route 3

Winschoterdiep - Pekel Aa - Pekeler Hoofdiep - Stadskanaal.
Vom Oosterhafen Groningen auf dem Winschoterdiep bis Winschoten, dann über die Pekel Aa und das Pekeler Hoofdiep zum Stadskanaal.  
Achtung!  Die erste Zugbrücke an der Pekel Aa muss von Hand bedient werden, der Schlüssel dazu ist im Freizeithafen Winschoten zu beziehen!                               
Die Fahrt durch Pekela  wird begleitet und startet jeweils 9 30  und 13 30 Uhr. Die Durchfahrt ist gratis, es muss jedoch bei mehr als 4 beteiligten Booten mit Wartezeiten gerechnet werden.
Bewegliche Brücken: 34, Schleusen 4. Durchfahrtshöhe: 5.10, Tiefe: 1.40 m.

Groningen bis Stadskanaal
Am Eexterveensche Kanaal vor Barefeld, Foto: Jon4Me

Route 4

Windschoterdiep - Drentse Vaart - Zuidlaardermeer - Kielsterdiep - Grevelinskanaal - Stadskanaal - Musselkanaal - Ter Apel - Kanal - Veenvaart oder Haren-Rütenbrockkanal (Ems, Deutschland).
Die kürzeste Fahrt führt vom Oosterhaven Groningen 6 km über das Winschoterdiep, danach auf das Drentsche Diep, Zuidlardermeer, Kielsterdiep und Grevelnkanaal bei Bareveld zum Stadskanal.
2 Schleusen, 16 bewegliche Brücken, davon einige von Hand zu bedienen. Durchfahrtshöhe: 3 m, Tiefe: 1.20 m.
Der kürzeste, wenn auch nicht der schnellste Weg.
Achtung, Untiefen! Auf dem Zuidlardermeer ist unbedingt auf die Betonnung zu achten!

Bei km 6, rechtes Ufer.
Der Anleger beim Km 6. | Foto: Kurt Frey, wasserwege.eu
Unterwegs auf dem Winschoterdiep
Auf dem Winschoterdiep haben wir nun einen grossen Kiesfrachter vor uns, welcher uns zuerst einmal die Aussicht etwas einschränkt, jedoch den Vorteil hat, dass wir bei den beweglichen Brücken sehr speditiv abgefertigt werden. Die Umgebung hat sich nun radikal verändert! Wir befinden uns im Industriegebiet südlich der Stadt Groningen, die Ufer werden von Schwerindustrie und Schiffswerften gesäumt. Werften, in welchen selbst Ozeanriesen gebaut werden, welche danach über den Eemskanaal zum Dollard und damit zur Nordsee gefahren werden. Um dies beim Winschoterdiep zu ermöglichen, kann sogar die Groninger Südumfahrung der Autobahn mittels Hydraulischer Pressen angehoben werden.

Beim Kilometer 6, gleich nach der Abzweigung zum Drentsche Diep, befindet sich ein sehr angenehmer Anleger für Sportboote, wo wir denn auch unsere Mittagsrast einlegen. Die Hunde geniessen den grosszügigen Auslauf hier in dieser grünen Oase mitten im Industriegebiet denn auch ausgiebig. Die Fahrt danach ist nicht sehr attraktiv, doch befindet sich in Hoogezand-Sappermeer eine kleine Marina, in Zuidkamp sogar deren Zwei. Es wird auch wieder etwas ländlicher. Hier in Zuidkamp war auch die letztes Jahr in Konkurs gegangene Werft des Yachtbauers Pedro beheimatet.

Zwischen Km 22 und 23 biegt der A.G. Wildervankkanaal gegen Süden ab, welcher nach Veendam führt, von dort gelangt man über das Oosterdiep zum Stadskanaal. Hier verlässt uns auch unser treuer Begleiter, der Kiesfrachter. Wir bleiben jedoch auf dem Winschoterdiep, durchfahren in Scheemda die offen stehende Hochwasserschleuse und erreichen im Laufe des Nachmittags den Yachthafen De Rensel in Winschoten. Der Yachthafen ist gut ausgerüstet und liegt keine 100 Meter von einem Einkaufszentrum mit grossem Supermarkt entfernt. Auch bis ins Stadtzentrum benötigt man weniger als 1/4 Std. zu Fuss. Die Stadt selbst ist nicht eben umwerfend, bietet aber alle Einkaufsmöglichkeiten und zwei - drei kleine Restaurants. Da hier ganz offensichtlich kein Nachtleben stattfindet, ist eine ungestörte Nachtruhe garantiert.

Wappen
Wappen am Pekeler Hoofddiep | Foto: Kurt Frey, wasserwege.eu
Stürmische Zeiten auf der Pekel Aa.
Nachdem ich den Hafenmeister gestern darauf hingewiesen haben, dass wir heute die Pekel Aa und das Pekeler Hoofddiep befahren werden, machte er mich darauf aufmerksam, dass ich mich telefonisch bei der Eisenbahn-Drehbrücke melden müsste. Punkt 9 00 Uhr passieren wir die automatische Hebebrücke am Hafenzubringer und melden uns gleich bei der Bahnbrücke, wo unverzüglich die etwas aufwendigen Vorbereitungen zur Öffnung beginnen, doch schon nach 15 Minuten stehen wir an der Abzweigung zum Pekel Aa - und damit auch vor einer niedlichen Zugbrücke, welche offensichtlich  eigenhändig vom Skipper bedient werden muss.
Wir belegen also am Steg und versuchen das Ding irgendwie zu öffnen, doch die Kurbel läuft leer. Nach eingehendem Studium der Anweisungen, wie immer in holländisch, stellen wir fest, dass wir einen Schlüssel benötigten. Wir rufen also in Pekela an, wo man uns mitteilt, der Schlüssel sei in der Marina Winschoten abzuholen. Wo man sich entschuldigt und verspricht, uns diesen Schlüssel gleich zu bringen. 1/4 Std. danach sind wir stolze Besitzer eines goldenen Schlüssels, welcher uns wohl in Zukunft viele Tore öffnen wird.

Kurz nach 10 00 Uhr erreichen wir die am Nordrand von Oude Pekela gelegene Marina. Da die Fussgängerbrücke über der Einfahrt nur 3 m lichte Höhe zulässt, belegen wir am Kanalufer, wo schon 3 andere Yachten vertäut liegen. Gleich neben uns steht denn auch ein kleines Häuschen, welches offensichtlich als Kapitanerie dient. Auf unsere Frage, wann die nächsten Brückenöffnungen zu erwarten seien, bekommen wir die etwas überraschende Antwort: Morgen! - Und weshalb? Es sei am Nachmittag mit einem starken Gewitter,  Hagelschauern und Böen zu rechnen.

So ein Ruhetag kann manchmal ganz angenehm sein, vor allem wenn man die Wahl hat, wo man diesen einschalten möchte. Hier war er leider etwas öde, auf meiner 4 km langen Wanderung durch das Dorf habe ich ausser der Entdeckung der für uns etwas ungewohnten Fensterdekorationen keine erwähnenswerten Einsichten gewonnen. Gleich bei uns am Freizeithafen dann doch noch: Das Chinesische Restaurant, welches wohl auch des nahenden Sturmes wegen geschlossen blieb und kaum 100 m entfernt ein Spielkasino, welches wir dann aber nicht besuchten. Der angekündigte Orkan entpuppte sich am Nachmittag als kurzes, heftiges Gewitter mit etwas Regen.

Doch, wie heisst es so schön, selbst der längste Tag geht zu Ende! Am Morgen starten wir nun pünktlich, begleitet von einem 2er Team, welche die 21 nun im kurzen Abständen folgenden Hebe- Dreh- und Klappbrücken und die 3 Schleusen bedienen werden. Bis zur ersten Schleuse geht alles recht gut, nur sind wir mit fünf Yachten unterwegs und die Schleusen fassen nur deren vier. So werden zuerst einmal Drei geschleust, diese müssen danach warten, bis die verbleibenden Zwei auch durch sind, da ja in der Zwischenzeit niemand die darauf folgende bewegliche Brücke bedient. Diese Prozedur ist äusserst mühsam, müssen doch die Schleusentore mit Stricken und Ketten von Hand geöffnet und danach mit Enterhacken und Fusstritten wieder geschlossen werden. Wenn dann das Personal noch vergisst, den Schieber im Oberwasser-Tor zu schliessen, kann das alles eine Weile dauern. 

Doch nicht nur die Schleusen sind in einem jämmerlichen Zustand, viele Drehbrücken können auch mit grossem Kraftaufwand nicht mehr ganz geschlossen werden. Was zur Folge hat, dass die Verriegelungsmechanik bis zu einem Meter vorsteht und sich geradezu als Büchsenöffner für den Bootsrumpf anbietet. Die Fahrt fordert höchste Aufmerksamkeit und die Tatsache, dass wir über fünf Stunden ohne Mittagsrast und Pause im Konvoi mit sehr kurzen Abständen zwischen den Booten unterwegs sind, zerrt zusätzlich an den Nerven.

Zudem wird die Zeit allmählich etwas knapp, geht doch die letzte begleitete Fahrt auf dem Stadskanaal um 15 Uhr ab. Doch wir erreichen diesen glücklich knapp 1/4 Stunde davor. Nur um zu vernehmen, dass infolge eines Defektes an der neuen Hebebrücke heute kein Weiterkommen mehr sei. Wenigsten können wir noch in die Stadtmitte weiterfahren.


Jachthaven "de Runde", Ter Apel | Foto: Kurt Frey, wasserwege.eu
Stadskanaal, Musselkanaal, Ter Apel Kanaal
Drei Orte, drei Kanäle. Logisch, wenn man bedenkt, dass diese Ortschaften selbst für die Kanäle aufkommen müssen.  Leider kann es dabei geschehen, dass die Verständigung nicht ganz klappt, doch man arbeitet daran.

Zu unserer grossen Überraschung öffnet die neue Klappbrücke schon um 8 Uhr, worauf wir nicht vorbereitet sind. Doch werden wir dann nach kurzer Wartezeit auch noch durchgewunken, damit wir uns den fünf vor uns liegenden Yachten anschliessen können.  Es geht nun recht zügig vorwärts bis Musselkanaal, wo wir um 11 30 Uhr in die Schleuse einlaufen. Wir würgen unsere sechs Boote irgendwie alle rein und werden nun von einem Herrn freundlich nach dem Namen des Bootes und dem Woher und Wohin befragt, dies alles verbunden mit ein paar Spässen und netten Worten. Um 12 Uhr ist das Interview abgeschlossen und die Schleuse wird gefüllt. danach verabschiedet sich der nette Herr mit den Worten, er werde nun seine Mittagspause bis 13 Uhr einlegen und wünsche auch uns guten Appetit. So kam es dann, dass ich das erste Mal während meines ganzen Schifferlebens in einer Schleuse gefangen gehalten wurde. Immerhin war der Beamte dann sogar 10 Minuten zu früh zurück und entliess uns in die Freiheit. Was uns leider nicht viel nützte, begann doch zwischen der Schleuse und der ein paar Meter entfernten Zugbrücke der Ter Apel Kanaal, wo die Mittagspause offensichtlich bis 13 30 Uhr dauert. Nach nur 1/2 Stunde Warten ging es dann jedoch weiter und wir schafften die Strecke von 16 Kilometern in nur einem Tag!

Ter Apel bietet zwei Anlegemöglichkeiten, in der Stadt selbst am Kanal und gleich nach der Stadt im Jachthaven  de Runde (www.jachthaventerapel.nl), hier wurden für Boote mit über 3 m Höhe gleich am Damm zum Kanal zusätzliche Stege mit Wasser- und Stromanschluss erstellt.