Frankreich » Canal latéral à la Loire | Kanäle in Frankreich

Der Loire-Seitenkanal, eine weitere Etappe der "Bourbonen-Route" zwischen Paris und Lyon.


Canal latéral à la Loire | Kanäle in Frankreich: Steckbrief & Übersicht

Gewässer-Bewertung

Länge des Wasserwegs: 196 km
Anzahl Schleusen: 37
Schleusendimensionen: 38.50 x 5.08
Max. Tiefgang: 1.80
Max. Durchfahrtshöhe: 3.45
Schwierigkeitsgrad: Etwas Erfahrung von Vorteil
Voraussetzungen: Für Mietboote führerscheinfrei
Gewässercharakter: keine Bewertung
Gewässerprofil: Berufsschifffahrt und Tourismus
Landseitige Infrastruktur: Gut

Weitere Informationen

Gewässer hat Anschluss an:

Canal de Briare | Kanäle Frankreich
Canal de Roanne à Digoin | Kanäle in Frankreich
Canal du Centre | Kanäle in Frankreich
Canal du Nivernais | Kanäle in Frankreich

Die Waserwege im Burgund:
Canal latéral à la Loire
Die "Bourbonen-Route",  von Paris nach Lyon, Teil 4, Canal latéral à la Loire

Der Loire - Seitenkanal
Nach dem Aquädukt von Briare wechselt der Wasserweg erneut seinen Namen und wird zum Canal latéral à la Loire.  Dieser folgt nun dem Fluss bis zum Aquädukt vor Digoin, wo er zum Canal du Centre wird.
Ein sehr interessanter Kanal, hat er doch einen kurzen Seitenkanal zur sehr schönen Stadt Nevers, in Dezise gelangen sie über zwei Schleusen auf die Loire und von dort weiter auf den Canal du Nivernais. Noch etwas weiter südlich kommt die Abzweigung nach Dompierre sur Besbre und bald danach, vor der Kanalbrücke von Digoin, folgt die Abzweigung zum Kanal nach Roanne.

Leider führt April an der Loire auch keine Bäckerei, was dazu führt, dass wir schon kurz nach Sonnenaufgang die Taue lösen und uns nach Fleury-sur-Loire verschieben, wo dann allerdings die Bäckerei am Montag geschlossen hat. Das Restaurant übrigens auch, und dies nicht nur montags! Wir begnügen uns für einmal mit einer aufgebackenen Baguette und stehen schon 9 00 Uhr an der Schleuse von Fleury, wo wir mit offenen Toren erwartet werden.
Um die Mittagszeit stehen wir einmal mehr vor der Entscheidung Stadt - oder Land. Wieder entscheiden wir uns für das Land und lassen den Stichkanal nach Nevers rechts liegen, um im grossen Hafen von Blagny den Mittagshalt einzuschalten. Hier bietet sich denn auch eine günstige Gelegenheit zum Besuch eines Supermarktes. Dieser befindet sich nach etwa 300 Meter an der Strasse Richtung Nevers und ist durchgehend von 8 30 bis 19 00 Uhr geöffnet.
Für die Weiterfahrt sind wir flexibel, ist doch die nächste Schleuse während den offiziellen Öffnungszeiten immer bedient. Wir legen also gemütlich im Laufe des Nachmittags ab und erreichen nach 9 Kilometern den alten Hafen von Gimouille. Fährt man in das grosse Hafenbecken mit seinen zwei - drei alten Kähnen ein, hat man im ersten Augenblick immer das Gefühl, hier ende die Reise, es ist weit und breit keine Ausfahrt aus dem Becken in Sicht. Fährt man dann mit gemischten Gefühlen weiter, findet sich ganz zuhinterst die rechtwinklige Einfahrt zum Pont-canal du Guétin, welche über den Fluss Allier führt. Die Einfahrt ist mit Lichtsignalen geregelt, hat man Grün, wird am anderen Ende schon die 3-fach Schleuse Guétin mit ihren schrägen Schleusenwänden vorbereitet.
Gleich nach dem Verlassen der Schleuse befindet sich backbords der riesige Anleger von Le Gueétin, von hier ist man zu Fuss in ein paar Minuten in der Auberge du Pont-canal. Wir lassen diese für einmal rechts liegen, da wir noch bis Cours-les-Barres fahren möchten.
Es geht also weiter und schon kommt die Abzweigung zum alten Hafen von La Grenouille in Sicht. Da die Schleusen hier noch im „Berichon-Gabarit“ sind, ist die Zufahrt nicht mehr möglich. Kurz vor unserem Tagesziel befindet sich noch die Zugangsschleuse zum Seitenkanal von Givry. Die zweite Schleuse gewährleistet den Zugang zur Loire, welche hier allerdings nicht schiffbar ist. Man gelangt von hier aber über eine Brücke zur Stadt Fourchambault. Die Stadt kann nicht wirklich schön genannt werden, jedoch bietet sie alle Infrastrukturen.

Cours-les-Barres

Wer hier vorbeifährt ist selbst schuld, ist diese Anlegestelle doch sicher die schönste am Kanal!
Hier findet man kostenlos Wasser, Strom und lauschige Bänke mit Tischen an der Sonne und im Schatten, im Dörfchen befindet sich ein Restaurant, eine Bar-Tabac und eine Bäckerei.

Hier hat auch André Breton mit seinem Wohnboot aus Crown-Blue-Line-Zeiten angelegt. Sein langer Weg durch die Kanäle Europas begann 1996 mit dem Kauf eines holländischen Bootes, mit welchem er 10 Jahre unterwegs war. Die zunehmend teurer werdenden Reparaturen bewogen ihn dann zum Verkauf des Schiffes und er verabschiedete sich vom Wasser indem er sich einen Wohnwagen kaufte. Doch schon bald trieb es ihn und seine Frau wieder auf die Kanäle. Schon nach einigen Wochen tauschte er den Wohnwagen wieder gegen ein Boot ein. Da seine Frau nicht mehr bei bester Gesundheit war und zudem grosse Mühe mit den Beinen bekundete, bot diese „Neuerwerbung“ den grossen Vorteil, dass sich Wohnen und Fahren auf nur einer Ebene befinden. Das vergangene Jahr viel dann leider an Land, da sich André einer schweren Operation unterziehen musste. Nun sind die beiden wieder unterwegs, voller Pläne für die eben begonnene Saison.

Leider müssen wir den gastlichen Ort schon am nächsten Morgen wieder verlassen, da unserem Programm wesentlich engere Grenzen gesetzt sind. Schon bald erreichen wir Marseilles-les-Aubigny.
Der Hafen ist noch immer voll von Yachten, Luxemotors und vielen anderen Hausbooten, welche hier überwintert haben.
Das Trockendock der Firma Raimondo hat übrigens eine sehr lange Geschichte, befand sich doch an dieser Stelle der Anschluss des Canal du Berry an den Canal latéral à la Loire.
Leider ist im angrenzenden Hinterland von diesem einst so berühmten Kanal nichts mehr auszumachen, erste Zeugen davon finden sich erst wieder in Saint Amande und Bourges.
Auf der Weiterfahrt haben wir den Eindruck, dass die Umgebung mit jedem zurückgelegten Kilometer grüner wird, auch fühlt man sich immer mehr im Loiretal, ein Schloss folgt dem anderen. Zu Mittagessen und Siesta machen wir an einem der unzähligen, durchwegs sehr gepflegten, Anlegern fest, welche während den letzten Jahren hier am Kanal eingerichtet wurden. Nach der ausgedehnten Siesta durchfahren wir zwei Schleusen und legen kurz zum Einkaufen in Herry an. Doch das schon beinahe sommerliche Wetter treibt uns wieder auf‘s Wasser! Leinen los also und weiter nach Norden!
Bald sind da und dort die ersten Weinreben zu sehen. Nachdem wir die Schleuse von La Grange passiert haben, taucht auf einem Hügel am Horizont das Städtchen Sancerre mit seinen Weinbergen auf.

Saint-Thibault

Nach der Schleuse Thauvanay müssen wir uns entweder für Ménétréol-sous-Sancerre oder St. Thibault entscheiden. Wir wählen den Port de Plaisance von St.Thibault, da dieser an einem alten Verbindungsstück mit Anschlussschleuse zur Loire liegt und wir ab dort mit den Hunden am Fluss spazieren gehen können, damit sie endlich wieder einmal zu einem Bad kommen. Leider ist der Hafen nicht eben billig, kostete 1 Nacht mit Wasser und Strom doch 15 €, dazu kommt, dass der Verbindungskanal voll ist mit völlig verschandelten Penichen, auch sind die Eigner verschiedener Boote, welche den Winter hier verbrachten, nicht wirklich freundlich. Ob das wohl daher kommt, dass wir mit einem Mietboot unterwegs sind? Doch unsere Hunde genossen es! Leider liegt unsere Lieblings-Auberge die letzte Woche im Winterschlaf, weshalb wir an Bord essen.
Am Morgen fahre ich mit dem Bord-Velo in den Supermarkt von St. Satur auf der anderen Seite des Kanals, einkaufen (Achtung, dieser öffnet erst um 9 00 Uhr). Wir fahren spät weg und lächerliche 2 Schleusen später belegen wir schon wieder. Die Umgebung der Schleuse Peseau, das prächtige Château de Peseau und die hier weidende Ziegenherde haben es uns angetan.
Nach der ausgedehnten Siesta geht es weiter, vorbei an den schönen Orten Léré, Belleville-sur-Loire und Beaulieu. Bei allen 3 Ortschaften wurden in den letzten Jahren die Anlegestellen vergrössert und vor allem verschönert! Wir fahren jedoch weiter bis Châtillon-sur-Loire, wo wir einen der letzten Plätze ergattern. Es wird wohl in der Hauptsaison eher besser sein, liegen hier doch jetzt noch einige „Winterschiffe“ und der grösste Teil der Flotte einer Hausboot-Basis. Die Stadt selbst ist mit etwas über 3000 Einwohnern recht gross, doch wenig attraktiv, auch liegt das kulinarische Angebot an der unteren Grenze.

Briare, alles aussteigen!

Ohne grossen Kummer trennen wir uns im Laufe des morgens von Châtillon und fahren dem Ende des Kanals entgegen (Welcher natürlich weiterführt, geht er doch bei Briare in den Canal de Briare über, dieser dann in den Canal de Loing, usw.).

Vor uns liegt noch die berühmte Kanalbrücke von Gustave Eiffel, dann folgt der überfüllte ehemalige Handelshafen. Zwei Kilometer später verlassen wir den Canal latéral à la Loire über die Schleuse No 4, la Cognardiere und erreichen nach weiteren zwei automatischen Schleusen das Wasserstädtchen Briare, welches wir kaum wiedererkennen! Pulsierendes leben und Boote ohne Ende, man wähnt sich an der Côte! Nehmen Sie sich Zeit für eine Malzeit im "Petit Saint-Trop", Sie werden es nicht bereuen...

Im Laufe der Umbauten für das neue „Cabarit Freycinette“, mit den Schleusendimensionen von 5.08 x 38.80 m musste eine Lösung zur Überquerung der Loire zwischen Châtillon und Briare gefunden werden. 1886 wurde dann die Kanalbrücke von Briare eingeweit und machte die alte Loire-Querung zwischen den Schleusen 41 (Les Mantelots) und 42 (Des Combles) überflüssig.

Heute ist der südliche Abschnitt wieder schiffbar.
Beim Kilometer 187, etwa 5 km vor Châtillon-sur-Loire befindet sich die oberste Schleuse (No 39 l‘Etang) im alten Canal latéral, welcher von hier zur Loire hinunterführt. Die folgende, „La Folie“, gehört mit der dazu gehörenden Brücke wohl zu den schönsten des Landes.
Ebenso eindrücklich ist dann auch die Verbindungsschleuse zur Loire, „Les Mantelots“. Diese ermöglicht den Fluss-Schiffern jeweils im Herbst und Frühling den Zugang zwischen Kanal und Fluss und umgekehrt. Die Schleusen „La Folie“ und „L‘Etang“ werden vom zuständigen Schleusenwärter auf Wunsch bedient (Tel. No. 02 38 31 26 20). Nehmen Sie sich die Zeit für diesen kurzen Ausflug in die Vergangenheit mit ihren einzigartigen Bauwerken.
Auf der anderen Loire-Seite befindet sich die Anschluss-Schleuse No 42 „Des Combles“, diese ist nicht mehr in Betrieb. Von hier führt der Kanal dann bis zum Bassin de Radoub in Briare, wo er Anschluss an die Loire und den Canal de Briare hat. Dieses Stück ist schon heute zum Teil befahrbar und soll in naher Zukunft wieder komplett schiffbar gemacht werden.